Leberforschung aktuell: Leberzellen im Einsatz gegen Autoimmunkrankheiten

01.06.2015

Bei Autoimmunkrankheiten erkennt das Immunsystem körpereigenes Gewebe irrtümlich als zu bekämpfenden Fremdkörper. Es kommt zu schweren Entzündungsreaktionen, die zu Schäden an den betroffenen Organen führen. So schädigt Multiple Sklerose die Nerven, Schuppenflechte die Haut und entzündliches Rheuma die Gelenke. In einem gesunden Organismus können regulatorische T-Zellen (Tregs) die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verhindern; diese spezialisierten Immunzellen schwächen zu starke Aktivitäten des Immunsystems ab und regulieren dadurch dessen Selbsttoleranz.

Wie die Arbeitsgruppe um PD Dr. Johannes Herkel, Leiter des SFB 841 Projekts B2, zeigen konnte, ist ein Zelltyp in der Leber besonders befähigt, regulatorische T-Zellen zu erzeugen. Es sind die sinusoidalen Endothelzellen (LSECs), die die Kapillargefäße der Leber von innen auskleiden. Darüber hinaus gelang es den Wissenschaftlern, das Können dieser Leberzellen gezielt gegen eine Autoimmunerkrankung außerhalb der Leber einzusetzen. Der raffinierte Winkelzug: Die krankheitsauslösenden Stoffe, die Autoantigene, werden mittels eines molekularen Transportvehikels direkt zu den Leberendothelzellen gebracht. Diese fungieren daraufhin als eine Art Produktionsstätte und erzeugen regulatorische T-Zellen, die – über den Blutkreislauf zurück in den Körper gespült – die Erkrankung spezifisch unterdrücken. Dass dieses neuartige Therapieprinzip funktioniert und hochwirksam ist, wiesen die Wissenschaftler bei Mäusen an einer der Multiplen Sklerose ähnlichen Erkrankung nach. Die Ergebnisse sind in der Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Hepatology veröffentlicht. Erste klinische Studien laufen Ende des Jahres an, um diese erfolgsversprechende medizinische Behandlung am Menschen zu testen (Projekt „NANOdeLIVER“).

Leberzellen im Einsatz gegen AutoimmunkrankheitenVideoarchiv

online seit 01.06.2015

Originalveröffentlichung:

Carambia A, Freund B, Schwinge D, Bruns OT, Salmen SC, Ittrich H, Reimer R, Heine M, Huber S, Waurisch C, Eychmüller A, Wraith DC, Korn T, Nielsen P, Weller H, Schramm C, Lüth S, Lohse AW, Heeren J, Herkel J

Nanoparticle-based autoantigen delivery to Treg-inducing liver sinusoidal endothelial cells enables control of autoimmunity in mice
J Hepatol. 2015 Jun;62(6):1349-56. doi: 10.1016/j.jhep.2015.01.006. Epub 2015 Jan 21.

Weitere Informationen:

Details und Kontaktdaten zum SFB 841 Teilprojekt B2 von PD Dr. Johannes Herkel „Toleranzentstehung und -durchbrechung in der Leber“ finden Sie hier.

Die Pressemitteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zum Start und zur Förderung des Projektes „NANOdeLIVER“ (Entwicklung einer neuartigen Therapie gegen Multiple Sklerose) können Sie hier einsehen.

Die Nanopartikel-Forschung läuft in Kooperation mit dem SFB 841 Teilprojekt B6 von Prof. Jörg Heeren “TREM-2 als regulatorischer Faktor der metabolischen Leberentzündung und NASH-Progression”. Die Projektbeschreibung und Kontaktdaten zu B6 finden Sie hier.